Leinen wird aus dem Bast der Flachspflanze gewonnen. Die Faser ist glatt, hohl und leitet Wärme vom Körper weg, statt sie zu speichern. Genau daraus ergeben sich beide Eigenschaften, für die der Stoff bekannt ist: die spürbare Kühle und die typischen Knitterfalten.
Leinen kühlt physikalisch: Feuchtigkeitstransport und Gewebeoffenheit
Die Faser nimmt bis zu einem Fünftel ihres Gewichts an Feuchtigkeit auf, ohne sich klamm anzufühlen, und gibt sie an der Oberfläche schnell wieder ab. Die Verdunstung entzieht der Haut Wärme. Weil Leinengarn steifer ist als Baumwolle, liegt das Gewebe zudem nicht flächig auf, sondern hält kleine Luftpolster offen. Ein Hemd aus Leinen fühlt sich deshalb schon bei Stillstand kühler an als ein gleich dickes Baumwollhemd.
Leinenqualität erkennen: Flächengewicht und Garnstärke
Das Flächengewicht in Gramm pro Quadratmeter ordnet den Stoff besser ein als jede Beschreibung. Leichte Ware unter 150 Gramm eignet sich für Hemden und Kleider, wird aber bei hellen Farben schnell durchscheinend. Zwischen 160 und 200 Gramm liegt der Bereich für Hosen und Jacken.
- Unter 150 Gramm: luftige Hemden, deutliche Transparenz.
- 150 bis 190 Gramm: Alltagshemden mit Stand.
- 200 bis 250 Gramm: Hosen, ungefütterte Jacken.
- Über 250 Gramm: Heimtextilien und Bezüge.
Ein Leinenstoff, der sich beim ersten Anfassen rau anfühlt, wird nach fünf Wäschen weich; einer, der von Anfang an seidig wirkt, ist meist beschichtet.
Knitter im Griff behalten: Waschen, Trocknen und Bügeln
Leinen knittert, weil die Faser wenig elastisch ist und Biegungen speichert. Vollständig verhindern lässt sich das nicht, mildern schon. Waschen bei 40 Grad mit halber Dosierung, kurz schleudern, feucht aufhängen und in Form ziehen nimmt einem Großteil der Falten die Schärfe. Gebügelt wird ausschließlich klamm und von links, gern mit Dampf, wobei die Naht zuerst und die Fläche zuletzt an die Reihe kommt. Wer eine Leinenhose über Nacht auf einem Bügel im feuchten Bad hängen lässt, spart sich am Morgen den größten Teil dieser Arbeit.