Zwei Kleidungsstücke aus demselben Stoff können sich im Preis verdoppeln, ohne dass die Faser dafür verantwortlich wäre. Der Unterschied steckt in der Konfektion: wie viel Stoff in den Nähten liegt, wie dicht genäht wurde und wie die Kanten gesichert sind. Diese drei Punkte lassen sich am Kleiderbügel prüfen.
Nahtzugabe messen: der Stoffvorrat entscheidet über Änderungen
Die Nahtzugabe ist der Streifen Stoff hinter der Naht. Ein Zentimeter ist die untere Grenze der industriellen Fertigung und lässt keinerlei Anpassung zu. Anderthalb bis zwei Zentimeter erlauben es einer Änderungsschneiderei, ein Kleidungsstück später weiter zu machen. Sichtbar wird der Vorrat, wenn man das Stück auf links dreht und die Seitennaht zwischen zwei Fingern hält. Eine großzügige Zugabe kostet Stoff und ist deshalb ein zuverlässiger Hinweis auf die Kalkulation der Fertigung.
Stichdichte beurteilen: acht Stiche auf zwei Zentimeter
Die Stichdichte lässt sich zählen. Auf zwei Zentimetern Naht liegen bei sauberer Konfektion etwa acht bis zwölf Stiche. Weniger bedeutet eine schnellere, weniger belastbare Naht, die unter Zug Fäden freigibt.
- Naht auseinanderziehen: der Grundstoff darf nicht durchscheinen.
- Fadenenden suchen: verriegelte Enden statt loser Fäden.
- Knopflöcher ansehen: dichter Raupenstich, kein ausgefranster Rand.
- Reißverschluss schließen: er soll ohne Wellen im Stoff laufen.
Eine Naht, die sich beim leichten Ziehen öffnet und den Stoff dahinter zeigt, wird beim ersten Waschgang weiter nachgeben.
Versäuberung ansehen: Overlock, Kappnaht und Futterkanten
Offene Schnittkanten fransen aus. Die schnellste Sicherung ist die Overlock, ein umschlingender Kettelstich; sie genügt für die meisten Alltagsstücke. Deutlich haltbarer ist die Kappnaht, bei der die Zugabe eingeschlagen und zweimal abgesteppt wird, erkennbar an den parallelen Steppnähten an Hemdseiten. Bei gefütterter Oberbekleidung lohnt der Blick in den Rücken: Eine Bewegungsfalte im Futter, meist als vertikaler Überschuss zwischen den Schulterblättern, verhindert, dass die Naht beim Vorbeugen reißt.